VERFOLGTE UKRAINISCHE KOMPONISTEN

Kultur und Geschichte der Ukraine

Kultur und Geschichte der Ukraine als größtes Land in Europa waren bis zum Beginn des russischen Krieges gegen die Ukraine weitgehend unbekannt. Der Verein zur Förderung der Städtepartnerschaft Düsseldorf-Czernowitz e.V. lädt zusammen mit dem Generalkonsulat der Ukraine in Düsseldorf und Ridne Slowo e.V. zum Entdecken und Austausch über die vielfältige Kultur und Geschichte der Ukraine ein.

Anmeldung

Ort

Stadtbüchereien Düsseldorf - Zentralbiblothek, KAP1

Foto www.kulturamrhein.de

Komponisten

Die Unterdrückung der ukrainischen Kultur durch Russland und die Sowjetunion umfasste neben der Literatur und der bildenden Kunst auch die Musik. Diese langandauernde Unterdrückung hat zur Folge, dass die Musik erst allmählich wiederentdeckt werden konnte.

Komponist Wasyl Barwinskyj

Komponist Wasyl Barwinskyj (1888-1963) gehört zu den Klassikern der ukrainischen Musik. Er begann zu komponieren im ersten Jahrzehnt des 20 Jahrhunderts und sein Stil ähnelt den anderen europäischen Komponisten dieser Zeit wie Witeslaw Novak, Claude Debussy, Maks Reger, Ferruccio Busoni. Gleichzeitig, benutzte Barwinskyj in eigenen Werken gerne ukrainische Volksmelodien, die er mit den harmonischen und polyphonischen Gedanken des 20 Jahrhunderts verband.

Sein künstlerischer Beitrag ist in der Kammermusik sehr bedeutend – so wie im Klavier als auch in Ensembles. Der Komponist hat die Werke für verschiedene Zusammensetzungen der Ensembles geschrieben: Duetts für Geige mit Klavier, Trio, Quartetts, Klavier Quintett und Sextett. Aber seine beliebteste Zusammensetzung war Cello und Klavier. Er trat selber mit seinem guten Freund, dem ersten Cellist der Wiener Oper, Bohdan Berezhnyckyj auf und hat eine Reihe von großen und kleineren Werken für ihn geschrieben.

Die Kammermusik von Barwinskyj in den 1930 Jahren war bekannt und sie wurde in Europa gespielt. Sie wurden herausgegeben durch österreichische, amerikanische und sogar japanische Verlage.

Das Schicksal

Das Schicksal von Wasyl Barwinskyj war alles andere als leicht. Wie ein Tropfen, spiegelt es das Schicksal seines ukrainischen Volkes wieder. Der Musiker erlebte mehrere Okkupationen seines eigenen Landes – österreichisch, polnisch, nazistisch und sowjetisch, – und in jeder Situation hatte er immer ein Ziel vor Augen: Die Pflege musischer Kultur der Ukraine. Er hat es nicht nur als Komponist, sondern auch als Dirigent, Organisator des Musiklebens, Lehrer, Kritiker gemacht.

Nicht einmal riskierte er sein eigenes Leben um das Erbe der ukrainischen Kultur und Musik in der kriegerischen Zeit der ersten Hälfte der 1940er Jahre zu bewahren.

Aber das schlimmste Verfolgung erlitt er nach Kriegsende von dem Sowjetischen Regime – und zwar nicht für irgendwelche Verbrechen oder Verrat, sondern nur wegen seiner Popularität und Autorität, wegen seiner kontinuierlichen Stellung als ukrainischer Patriot.

Exil Gefängnis

Der 60-järige Komponist und seine Frau waren nach Mordowien in die Konzentrationslager verbannt und wurden zur Schwerstarbeit gezwungen. Ihre Namen wurden mit ausgedachten Verleumdungen geschwärzt. Sein Lebenswerk wurde in gedruckter und gesprochener Form verboten.

Um die Erinnerung an seinen Namen und seine Werke komplett zu zerstören, wurde verbrecherisch angeordnet alle seine Handschriften zu verbrennen, und einen großen Teil davon haben wir für immer verloren, sodass nach der Rückkehr aus dem Lager, der Komponist bis zu den letzten Tagen seines Lebens die Reste seiner Werke sammelte und manche versuchte er aus den Gedenken wiederherzustellen.

Heute erleben wir eine Renaissance der Musik von Barwinskyj. Ukrainische Musiker in allen Teilen der Welt haben alles dafür getan um seine verlorene Werke wiederzufinden. Die Geschichte des Konzertes für Klavier mit Orchester ist sehr rührend. Das Konzert wurde in den 30er Jahren geschrieben und wurde danach in mehreren Städten Galiziens und der sowjetischen Ukraine aufgeführt. Aber nach dem Krieg wurden die Noten verloren. Der Uraufrührer – Pianist Roman Savyckyj hat sich auf die Suche nach ihnen begeben und nach seinem Tod hat sein Sohn die Suche fortgesetzt. Nach mehreren Jahren erfolgloser Suche hat er die Nachricht in eine Zeitung gesetzt: Wer weiß etwas über die Geschichte des Barwinskyj Konzertes. Und am 9 Juni 1993 – genau auf den 30ten Jahrestag des Todes des Komponisten, wurden in den weiten Argentiniens die Noten wiedergefunden.

Die Musik von Vasyl Barwinskyj wird nach und nach von immer mehr Pianisten und Ensembles, Chören und Sängern aufgeführt. Sie ist sehr nah an den modernen Menschen und findet immer positives Feedback bei den Zuhörern. In einer Zusammenarbeit immer neuerer Interpretationen wächst Verständnis ihres tiefen Sinnes und unähnlicher Schönheit. Barwinskyjs Lebenswerk findet einen verdienten eigenen Platz in dem Weltkulturerbe.

Natalia Kaschkadamova, eine der letzten Schülerinnen von W. Barwinskyj.

Levko Revutsky (1889-1977)

Der Klassiker der ukrainischen Musik des zwanzigsten Jahrhunderts – Levko Revutsky (1889-1977) – stammte aus einer alten ukrainischen Adelsfamilie, deren Gründer zu Beginn des 17. Jahrhunderts der ukrainische Kosak Peter Revukha war. Nach der Zerstörung von Zaporizhian Sich im späten 18. Jahrhundert dienten fünf Generationen der Familie Revutsky als Priester (im Dorf Irzhavtsi) im Gebiet Tschernihiw (im Norden der Ukraine). So war Levko Revutsky nicht von einem militanten Kosakengeist beseelt, sondern lebte im Geist der Oberschicht, war ein sanfter Mann, ein sensibler Musiker, ein gefühlvoller und verletzlicher Lyriker.

Die besten Werke Revutskys, insbesondere für Klavier, entstanden in den Jahren 1909 bis Anfang der 1930er Jahre, als der junge Musiker mit weit geöffneten Augen die Welt in einem Wechsel phantastischer Formen, luxuriöser Farben und Gerüche wahrnahm. Diese Visionen verkörperten sich in der verfeinerten Textur seiner Klavierstücke, stellten jedoch keine Gemälde dar, wurden auch nicht mit Programmnamen versehen, sondern spiegelten nur seine eigene Erfahrung ihrer Schönheit wieder. Der Komponist enthüllte bereits in den ersten Werken die lyrische Natur seines Talentes und brachte sie in seiner Musik sehr persönlich und direkt zum Ausdruck.

Musikstil

Revutsky übernahm keine ukrainischen Volksmelodien in seinen Klavierwerken, sondern liess sich von seiner brillanten Intuition leiten. Der ukrainische Charakter von Revutskys Musik wird durch die Intonation seiner eigenen Themen, die Art und Weise ihrer Entwicklung, die Zusammensetzung der Textur und das Genre der Werke deutlich. Der Komponist war aber auch ein Mann der neuen Zeit – des Beginns des XX Jahrhunderts, er erweiterte und ergänzte die Idee des ukrainischen Charakters in der Musik, indem er bis da noch unbekannte psychologische Raffinesse und emotionale Komplexität präsentierte. Die Besonderheit von Revutskys musikalischer Sprache zeichnet sich durch die Kombination von Melodien, die in volkstümlichen Diatonika verwurzelt sind, mit einer individuellen, chromatischen Harmonie aus. Harmonie dient hier nicht als Begleitung oder als ein zweiter Plan, sondern schafft mit der Melodie das Ganze.

Sein Werk

Der Komponist schrieb in diesen Jahren eine Klaviersonate und -präludien, eine Reihe von Vokal- und Chorwerken, zwei Sinfonien und ein Konzert für Klavier und Orchester. Die Machtpolitik in der totalitären Sowjetunion duldete jedoch nicht die Freiheit der Kreativität. Musiker mussten barrierefreie, einfache Musik schreiben und kommunistische Ideen fördern, für einen individuellen Stil und Kreativität wurden sie kritisiert. Revutsky, als ein empfindsamer Mensch, der sich nicht wehren konnte, fing an, immer weniger zu schreiben. Eine schreckliche Erfahrung für ihn war der Tod seines Bruders Dmytro, der 1941 in Kyiv brutal von einem “Liquidator” des NKWD ermordet wurde. Eine nicht weniger schmerzhafte Erfahrung war für Ihn die offizielle Verfolgung seines Kollegen, den Komponisten Lyatoshynsky im Jahr 1948 für die Diskrepanz seiner komponierten Dritten Symphonie zu den „sozialistischen Regeln”. Revutsky schrieb auch eine Dritte Symphonie, aber tief verängstigt vom Gehörten, vernichtete er das Manuskript. Der Stalinismus wurde zum Schicksal des Komponisten, indem man versuchte, ihn mit zahlreichen offiziellen Preisen und Ehrungen zu bestechen, dafür aber Gehorsam und die Unterstützung des offiziellen Kurses verlangte. Er hat sich einfach verschlossen und von den neunzehnfünfziger Jahren bis zum Tod nichts mehr geschrieben. Die brutale Realität des sowjetischen Lebens beendete die einzigartige lyrische Schaffenskraft des Musikers.

Das Schicksal des Komponisten Revutsky ist gewissermaßen einzigartig: er hat 88 Jahre gelebt aber komponierte nur eine kurze Zeit. Diese Zeitspanne hat sich jedoch zu einer innovativen Etappe in der Entwicklung der ukrainischen akademischen Musik entwickelt, und die damals geschriebenen Werke sind leicht als Beispiele für einen einzigartigen Autorenstil zu erkennen.

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Vortrag

Olga Glibovych

VIOLINE

Olga Glibovychdiplomierte Geigerin und Pädagogin, studierte an der Folkwang Hochschule Essen und an der Nationalen Musikakademie in Kyiw, Ukraine (Diplom mit Auszeichnung). Spielte unter anderem als Solistin und mit Orchester Konzerte in der Ukraine, Deutschland, Litauen, Polen. Arbeitete in den Lwiw Philharmonie und Kyiw National Orgelsaal Orchestern. Gastierte als Mitglied verschiedener Orchester in Deutschland, Polen, Spanien, den Niederlanden, Italien. Seit 2008 führt sie eine Violinklasse in der Städtischen Musikschule Ratingen.

Yaromyr BOZHENKO

KLAVIER

Yaromyr Bozhenko, diplomierter Pianist und Pädagoge, Absolvent der M.Lysenko Staatlichen Musikakademie in Lwiw bei Prof. M. Kruschelnytska und der Folkwang Hochschule Essen bei Prof. Boris Bloch (Diplom) und Prof. Michael Roll (Konzertexamen).

Preisträger des W. Krajnews Internationalen Preisausschreibens der Jungen Pianisten (Charkiw, Ukraine 1992), des Internationalen Preisausschreibens S.Ludkevytsch, (Toronto, Kanada 1995), des Internationalen Klavier Preisausschreibens “Arthur Rubinstein in Memoriam” (Bydgoschch, Polen 1998), des Internationalen Preisausschreibens «Yokosuka 2001» (Yokosuka, Japan 2001).

Yaromyr BOZHENKO

KLAVIER

Yaromyr Bozhenko, diplomierter Pianist und Pädagoge, Absolvent der M.Lysenko Staatlichen Musikakademie in Lwiw bei Prof. M. Kruschelnytska und der Folkwang Hochschule Essen bei Prof. Boris Bloch (Diplom) und Prof. Michael Roll (Konzertexamen).

Preisträger des W. Krajnews Internationalen Preisausschreibens der Jungen Pianisten (Charkiw, Ukraine 1992), des Internationalen Preisausschreibens S.Ludkevytsch, (Toronto, Kanada 1995), des Internationalen Klavier Preisausschreibens “Arthur Rubinstein in Memoriam” (Bydgoschch, Polen 1998), des Internationalen Preisausschreibens «Yokosuka 2001» (Yokosuka, Japan 2001).